"Messe de la Pentecôte" von Olivier Messiaen

Liebe Gemeinde,

Pfingsten, Ausschüttung des Heiligen Geistes – wie kann man sich das vorstellen? Viele Auslegungen der biblischen Schilderungen sind möglich, doch Worte bleiben immer Stückwerk. Es fehlt das sinnliche Erleben des Geistes, den man eben nicht sehen und auch nicht mit Vernunft erklären kann - er ist „höher als alle Vernunft“.
Was den Worten fehlt, kann vielleicht die Musik erfüllen. Im Folgenden möchte ich Sie auf die Pfingstmesse („Messe de la Pentecôte“) von Olivier Messiaen (1908-1992) aufmerksam machen: Sie ist Messiaens einziges Werk, das streng einem liturgischen (gottesdienstlichen) Ablauf folgt, entstand 1950 und wurde an Pfingsten 1951 von ihm selbst in „seiner“ Pariser Kirche Ste. Trinité uraufgeführt. 1964 spielte Gerd Zacher dieses Werk in Wellingsbüttel im Beisein des Komponisten.
Messiaen gilt als einer der bedeutendsten Komponisten, einflussreichsten Lehrer und als der wichtigste Orgelkomponist des 20. Jahrhunderts. Die Einflüsse auf Messiaen waren vielfältig. Neben dem Katholizismus prägten ihn die Naturerfahrungen aus seiner Kindheit, Poesie und Literatur (Mutter Dichterin, Vater Shakespeare-Übersetzer), seine frühe Ausbildung am Conservatoire de Paris (u.a. Paul Dukas und Marcel Dupré) und die französisch-symphonische Orgel. Hinzu kommt ein fester Glaube, künstlerische Offenheit, gepaart mit stupender Bildung und großem Interesse für europäische wie außereuropäische Musik sowie für Vogelstimmen.

In der Pfingstmesse zeigt sich besonders sein gesteigertes Interesse für den Rhythmus. Er bezieht griechische Versmaße (1. Satz) und Hindu-Rhythmen (3. Satz) mit ein, zerlegt, dehnt und staucht sie, stellt sie neben oder übereinander. Dazu entstehen irrationelle Notenwerte und zum Teil gegeneinander laufende Reihen.

Die Vogelstimmen, die Messiaen allerdings idealisiert und rhythmisch genau fixiert, bilden einen natürlichen Gegensatz zu dem mathematisch Festgelegten. Zugleich zeigt es einen anderen Aspekt seiner vielfältigen, im vorliegenden Werk zum Tragen kommenden Tonsprache: seinen unglaublichen Sinn für Klänge, bzw. auch die Synthese aus Mischungen unterschiedlicher Register der Orgel.
Das Werk hat eine konstruierte und eine sinnliche Seite. Man kann diese Musik sogar als eine Art symphonische Dichtung hören: Gestalten (Dämonen, Berge, Wind, der Geist) treten beinahe wie Leitmotive immer wieder auf.

Als Aufnahmen kann ich u.a. die Einspielung durch den Komponisten selbst (EMI Classics) und die Olivier Latrys empfehlen (Deutsche Grammphon bzw. Youtube) empfehlen.

Frohe Pfingsten und alles Gute wünscht Ihnen

Ihr Kirchenmusiker Moritz Schott.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Wellingsbüttler Orgelfrühling 2020

Alle Konzerte des Wellingsbüttler Orgelfrühlings 2020 werden auf das Jahr 2021 verschoben.

Die genauen Termine stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.